Das Peenetal - Auf dem Weg vom Naturschutzgroßprojekt zum Naturpark

In den Jahren von 1992 bis 2009 wurde im Peenetal eines der größten Naturschutzprojekte Deutschlands umgesetzt. Träger dieses Naturschutzgroßprojektes war der Zweckverband „Peenetal-Landschaft“, dem die Kreise Demmin und Ostvorpommern, die Städte Demmin, Loitz, Jarmen, Gützkow und Anklam sowie der Förderverein „Naturschutz im Peenetal“ angehören.

Die rund 20.000 ha große Kernzone des Naturschutzgroßprojektes erstreckte sich vom Nordwestufer des Kummerower Sees bis in den Mündungstrichter der Peene östlich von Anklam und schloss die gesamte tiefgründig vermoorte Niederung der Peene sowie einen Großteil der Hanglagen des Peenetals ein.
Die Kernzone des Projektes war von einer ebenfalls ca. 20.000 ha großen so genannten Projektzone umgeben. Diese Zone randlicher Einflüsse auf das Peenetal wurde zwar sowohl in die Pflege- und Entwicklungsplanung des Projektes als auch in das Maßnahmenmanagement der Kernzone einbezogen, Investitionen in die naturräumliche Entwicklung erfolgten hier jedoch nicht.

Naturschutzgroßprojekt „Peenetal-/ Peene-Haff-Moor“; Übersichtskarte mit Stand der NSG-Ausweisung zu Projektbeginn (1992)
(Quelle: Zweckverband „Peenetal-Landschaft“)

Übersichtskarte

Die Hauptaufgabe des Naturschutzgroßprojektes bestand darin, die naturräumlichen Voraussetzungen für die flächendeckende Ausweisung der rund 20.000 ha großen Kernzone als Naturschutzgebiet zu schaffen.
Dafür wurden in den 17 Jahren der Projektlaufzeit insgesamt rund 27,2 Mio. € an öffentlichen Geldern zur Verfügung gestellt, die zu knapp 73 % aus Mitteln des Bundes und zu gut 19 % aus Mitteln des Landes M-V stammten. Etwa 8 % der Projektmittel wurden von den Mitgliedskommunen des Zweckverbandes „Peenetal-Landschaft“ aufgebracht, ergänzt durch rund 640.000 € aus Spendenmitteln der Kurt-Lange-Stiftung Bielefeld.

Renaturierung des hydrologischen Systems

Peene-TrebeltalIm Rahmen der Projektumsetzung zeigte sich schnell, dass die tief entwässerten Polder das Haupthindernis auf dem Weg zur Ausweisung unzerschnittener Naturschutzgebiete (NSG) im Peenetal darstellten. Diese Gebiete waren hoch degradiert, im Mittel auf -0,4 bis -0,6 m HN abgesunken (also auf mehrere Dezimeter unterhalb des Mittelwasserstandes der Peene) und mit äußerst artenarmen Saatgrasland bestanden – also in keiner Weise das, was man als NSG ausweisen würde. Leider gab es von diesen Standorten nicht gerade wenige.
Ein Rückbau aller Polder bzw. ein umfassender Rückbau der engmaschigen Grabennetze in genutzten aber nicht gedeichten Bereichen hätte jedoch die Mittel und Möglichkeiten des Naturschutzgroßprojektes allein weit überschritten. Glücklicherweise wurde gerade rechtzeitig das Moorschutzprogramm Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen. Außerdem lenkten die Naturschutzbehörden zusätzlich Kompensationsmaßnahmen ausgleichspflichtiger Investoren ins Peenetal.
Mit dieser Bündelung aller Kräfte gelang im Peenetal bisher die Umsetzung von 46 Projekten zur hydrologischen Sanierung des Moores, wodurch insgesamt 8.687 ha renaturiert wurden. Dabei kam es regelmäßig auch zur finanziellen Zusammenarbeit verschiedener Partner in den Einzelprojekten.
Zu den 46 bereits abgeschlossenen Vorhaben gesellen sich fünf weitere, die sich derzeit in Planung oder bereits in Umsetzung befinden. Nach Umsetzung auch dieser Vorhaben wird sich die Fläche der hydrologisch sanierten Gebiete im Peenetal auf 9.932 ha erhöhen.

Das Peenetal war im natürlichen Zustand von einer weitgehend baumfreien, braunmoosreichen Seggenriedvegetation geprägt. Eine tatsächliche Renaturierung muss also auf diesen Zustand abzielen, wenigstens soweit, wie es unter den heutigen Bedingungen und nach den jahrzehntelangen Schädigungen noch möglich ist. Das Beispiel des Peenetalmoores belegt, dass eine erfolgreiche Renaturierung, wie in jedem Moor, an der möglichst weitgehenden Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes ansetzen muss.
Zu Beginn der Projektlaufzeit betrug der Anteil der naturfernen Vegetationsformenkomplexe etwas mehr als 50 %, was zumindest grob den Flächenanteil mit gestörtem Wasserhaushalt am Gesamtkerngebiet (ca. 20.000 ha) widerspiegelte. Wenn nun am Ende der Projektlaufzeit rund 10.000 ha hydrologisch saniert sein werden, verdeutlicht dies, dass es tatsächlich gelungen ist, den Wasserhaushalt des Peenetalmoores fast flächendeckend auf einem sehr naturnahen Niveau wiederherzustellen.
Obwohl alle beschriebenen Maßnahmen primär auf den Erhalt und den Schutz des Torfkörpers ausgerichtet waren, verfehlten sie ihre Wirkung auf den Arten- und Gewässerschutz nicht.
Bruchwald Anklamer StadtbruchDie erreichten Erfolge bei der hydrologischen Renaturierung des Peenetalmoores schlagen sich in der Wiederansiedlung bzw. Ausbreitung der spezifischen Flora und Fauna dieses Flusstalmoores nieder, darunter viele hochgefährdete und hochgeschützte Arten, von denen einige noch vor wenigen Jahren als verschollen galten. Näheres dazu findet sich unter der Kategorie „Tier- und Pflanzenwelt“.
Aber selbst dem weniger spezifisch interessierten Besucher werden die Veränderungen in der Biotopstruktur des Peenetals auffallen. Durch die großflächigen Vernässungen wird die Verbuschung des Peenetals aufgehalten und teilweise zurückgedrängt, zugunsten der Offenstandorte.

Bilanz des Naturschutzgroßprojektes „Peenetal-/ Peene-Haff-Moor“

Zur erfolgreichen Umsetzung des Naturschutzgroßprojektes im Peenetal waren jedoch nicht nur umfangreiche Polderauflösungen notwendig, die oft mit einem erheblichen Grunderwerb einhergingen. Ebenso waren auf vielen weiteren Flächen Extensivierungs- und Optimierungsmaßnahmen erforderlich. Dazu verfügte der Zweckverband „Peenetal-Landschaft“ beispielsweise über ein eigenständiges Extensivierungsprogramm, ergänzend zu entsprechenden Landesprogrammen, die von den Ämtern für Landwirtschaft (ökologischer Landbau) und den Staatlichen Ämtern für Umwelt und Natur (Naturschutzgerechte Grünlandbewirtschaftung) betreut wurden. Dieses Extensivierungsprogramm erwies sich als äußerst wichtiges Förderinstrument.
Insgesamt kann das Naturschutzgroßprojekt „Peenetal-/Peenehaffmoor“ auf folgende Bilanz verweisen.

  1. Grunderwerb (ca. 8,8 Mio. €)
    • Ankauf von insgesamt ca. 5.500 ha,
    • Aufhebung von Pachtverträgen gegen Entschädigung auf 2.054 ha
    • Ausweisung von 25 Eigenjagdbezirken mit einer Gesamtfläche von rund 4.000 ha
  2. Ausgleichszahlungen/Extensivierung (ca. 9,5 Mio. €)
    Extensivweide bei TrittelwitzInsgesamt wurden rund 2.150 ha Grünland in Extensivierungsverträge mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren eingebunden; durchschnittliche Restlaufzeit 20 Jahre. Dies entspricht etwa 50 % der im Peenetal landwirtschaftlich nutzbaren Fläche.
  3. Biotopeinrichtung / Erstpflege (ca. 1,18 Mio. €)
    • Peenetourjährlich: ca. 200 ha z.B. Flächenmahd, Entbuschungen, punktuelle Maßnahmen zur hydrologischen Renaturierung
    • Her- und Aufstellung von 32 Info-Tafeln zur Besucherlenkung von Wasserwanderern
    • Her- und Aufstellung von 37 Info-Tafeln zu Schutzgebieten im Peenetal
  4. Renaturierung der Wasserversorgung / Polderrückbau (ca. 2,6 Mio. €)
    • geflutete Polder46 abgeschlossene Vorhaben mit einer Gesamtvorteilsfläche von 8.687 ha
    • 5 weitere Vorhaben in Planung oder in Umsetzung mit einer Gesamtvorteilsfläche von 1.245 ha
  5. Ausweisung von Naturschutzgebieten (NSG)
    Die Verordnung für das NSG „Peenetal von Salem bis Jarmen“ trat am 26.März 2009 und die Verordnung für das NSG „Peenetal von Jarmen bis Anklam“ am 07. Juli 2010 in Kraft. Damit wurde die NSG-Ausweisung bereits für rund ¾ des Kerngebiets vollzogen.
    Die öffentliche Auslegung des Entwurfs der NSG-Verordnung für den letzten Abschnitt des Kerngebietes östlich von Anklam ist für 2012 geplant. Mit der NSG- Ausweisung ist hier 2013, spätestens jedoch 2014, zu rechnen.

Die Ziele des Naturschutzgroßprojektes „Peenetal-/ Peene-Haff-Moor“ wurden erreicht. Es gehört damit zu den größten und erfolgreichsten in der Geschichte der Bundesrepublik.

Der Naturpark Flusslandschaft Peenetal

RenaturierungsgebietDas Naturschutzgroßprojekt „Peenetal-/Peenehaffmoor“ endete am 31.12.2009, war und ist jedoch mit erheblichen Nachfolgeverpflichtungen sowohl für das Land M-V als auch für den Zweckverband verbunden.
Zur gemeinsamen Bewältigung dieser Folgeverpflichtungen sowie zur nachhaltigen Entwicklung des Peenetals wurde die Gründung eines rund 35.000 ha großen Naturparkes vorbereitet. Die Grenzen dieses neuen Naturparkes orientieren sich dabei an denen der Projektzone des Naturschutzgroßprojektes, also der Zone randlicher Einflüsse auf die tiefgründig vermoorte Niederung des Peenetals; allerdings mit einer Ausnahme.
Der neue Naturpark wird, anders als das Naturschutzgroßprojekt, nicht das Nordwestufer des Kummerower Sees einschließen. Der Grund dafür besteht darin, dass hier bereits ein Naturpark existiert. Tatsächlich wird der Naturpark im Peenetal die Naturparke „Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See“ und „Insel Usedom“ miteinander verbinden und so die Lücke in einem Verbund von Nationalen Naturlandschaften schließen, der von der Ueckermünder Heide, über die Insel Usedom, das Peenetal und die Mecklenburgische Schweiz bis in das Müritzgebiet und darüber hinaus reicht.